Wir feiern dieses Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht, seit über 60 Jahren ist Gleichberechtigung gesetzlich verankert, doch auch nach so vielen Jahren erhalten Frauen immer noch weniger Gehalt als Männer.

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, hat das Statistische Bundesamt berechnet. Als Gender Pay Gap oder geschlechtsspezifische Lohnlücke wird die prozentuale Differenz zwischen Männer- und Frauenlohn im Verhältnis zum Männerlohn bezeichnet. Der 18.03.2019 ist der Tag, an dem Frauen statistisch gesehen das erste Mal Geld für ihre erbrachte Arbeitsleistung beziehen.

Ein Teil dieser Lohnlücke lässt sich auf sogenannte strukturelle Unterschiede zurückführen. Viele Frauen erlernen Berufe, in denen schlechter bezahlt wird, arbeiten seltener in Führungspositionen und häufiger in Teilzeit oder in Minijobs. Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet und sich Frauen und Männer anschaut, die in der gleichen Branche und gleichen Position gleich viel arbeiten, dann ergibt sich in Deutschland immer noch eine nicht zu erklärende Lohnlücke von sechs Prozent.

Nach wie vor fehlen Frauen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Obwohl Frauen heute im Durchschnitt besser ausgebildet sind als Männer,ergreifen Frauen noch immer verstärkt frauendominierte Berufe in den Bereichen Erziehung und Pflege und fehlen weiterhin in den MINT-Berufen. Daneben kommen Frauen seltener auf die gleich hohen Karrierestufen wie Männer.

Frauen unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit auch familienbedingt durch z.B. Elternzeit oder Pflege von Angehörigen häufiger und länger als Männer. Diese „Fehlzeiten“ und darauf folgende Benachteiligungen beim Wiedereinstieg haben lang nachwirkende Einbußen beim Einkommen zur Folge, was dann auch die späteren Renten beeinträchtigt.

Sogenannte „frauentypische“ Berufe sind weiterhin unterbewertet. Das gilt vor allem für Berufe im sozialen, pflegerischen und erzieherischen Bereich. Aufwertung dieser Berufe heißt nicht nur, den tatsächlichen gesellschaftlichen Wert dieser Berufe deutlicher und bewusster zu machen, sondern auch für eine diesem Wert angemessene Bezahlung in diesen Berufen einzutreten.

Der wichtigste Punkt, diese offensichtlichen Ungerechtigkeiten zu beheben, ist die Verankerung des Anspruchs, dass Frauen und Männer, die die gleiche Arbeit leisten, dafür auch in gleicher Höhe bezahlt werden. Durch fehlende Gehaltstransparenz ist eine Ungleichbehandlung der Bezahlung aufgrund des Geschlechts nicht sichtbar. Transparenz in den Gehaltsstrukturen und ein gesetzlich geregeltes Auskunftsrecht können die Lohnlücke nachhaltig beeinflussen. Dafür soll auch das am 6. Juli in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz sorgen.

Gleichzeitig müssen wir für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen. Es müssen mehr und flexiblere Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden, damit Kinder nicht mehr als „Beschäftigungshindernis“ angesehen werden können und Frauen mit Kindern nicht gleichsam automatisch in schlechter bezahlte Teilzeitjobs gedrängt werden. In diesem Zusammenhang kann auch ein Recht auf Arbeit im Home Office für bessere Akzeptanz sorgen.

Rollenstereotype und mangelnde Wertschätzung bestimmter Berufe und Tätigkeiten – das sind nur zwei Faktoren, die heute immer noch für eine Benachteiligung von Frauen im Berufsleben sorgen. Das aber kann so nicht bleiben, denn durch den demographischen Wandel und den dadurch verursachten Fachkräftemangel wird unsere Wirtschaft schon heute deutlich beeinträchtigt. Wer dennoch an alten Rollenmustern und Vorurteilen festhalten und gerechte Löhne und Renten als unfinanzierbar hinstellen, wird schon kurzfristig unter den Folgen dieser verfehlten Politik leiden – und dann wie immer diese Folgen auf Kosten der Steuerzahler zu beheben versuchen.

Wir müssen also heute beginnen, mit richtiger, nachhaltiger Sozial- und Lohnpolitik unsere Zukunft zu sichern und zu gestalten. Equal Pay ist einer der Schritte auf dem richtigen Weg, und es wird noch viele weitere Schritte bis zum Ziel geben. Machen wir uns auf den Weg!